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coepces collum

„Ich mache so viele dumme Possen mit mir selber
und habe solche Privat-Hanswurst-Einfälle,
daß ich mitunter eine halbe Stunde auf offener Straße grinse.
Ich habe vier Tage lang die Möglichkeit verloren,
einen gesetzten Ernst in mein Gesicht zu bringen.
Ich denke, in einem solchen Zustand ist man reif zum Welt-Erlöser.“

(Friedrich Nietzsche, 1888)



alexander spree, 07/11/2008
„Thats poker!“

 



Einer meiner Bekannten ist ein sehr erfolgreicher Turnierspieler. Seine Strategie besteht darin, nicht ein einziges Buch gelesen zu haben und darauf zu verzichten während des Spiels die Gegner auf Hände zu setzten. Wenn er intuitiv spürt mit seiner derzeitigen Hand gewinnen zu können, egal wie die Karten aussehen, geht er spätestens am Flop All-In. Wenn er vom Favoriten gecallt wird, trifft er eines seiner wenigen Outs, wenn nötig Runner-Runner und verdoppelt sich in schöner Regelmässigkeit, denn die Sonne lacht ihm aus dem Arsch. Er wird daher sehr häufig beschimpft.
Ganz anders Doyle Brunson, der gegen Chip Reeses Asse, seine Könige preflop folded. Alle Welt bewundert ihn dafür. Wir werden nie erfahren, ob er nicht sein Set getroffen hätte. Ehrlich gesagt, verstehen wir die ganze Aufregung nicht. Was soll hochwertiger daran sein, Könige wegzuwerfen, als beispielsweise 5-8 offsuit. Stellten wir einem Skill-Player diese einfache Frage, würde der den Kopf schütteln und uns für blödsinnig erklären. Da sieht man, wie sehr der Glaube einen verblendet.

 

 



alexander spree, 28/10/2008
- - - Das Geld ist nicht weg, es ist nur bei jemand anderem - - - Michael Keiner

 


2,2 Billionen Euro - Das soll die Summe sein, die durch die Finanzmarktkrise vernichtet worden ist, hört man heute.
Hmm, komisch - Ich verstehe das nicht.
Wenn ich an einem Tisch zocke und eine Wette eingehe (Outs und Odds berücksichtigend, versteht sich) und dann verliere, hat meine Chips jemand anderes - meistens ein Donk. Aber egal, darum geht es nicht. Der Donk hat meine Chips und ich hatte Pech, sozusagen.
Nullsummenspiel.
Nun scheint es an den Börsen aber, den Casinos der Weltwirtschaft, irgendwie anders zu laufen. So in etwa, wie bei einem Cashgame mit xxxx und xxxxxx (Namen ge-ixt, wegen der Persönlichkeitsrechte). Alle zahlen in den Pot, bekommen entsprechend Chips - einige tätigen häufig Rebuys, jedoch ohne erneut in den Pot zu zahlen, aus Vergesslichkeit versteht sich - am Ende ist weniger Geld im Pot als Chips im Umlauf sind, meistens blue-chips (börsianischer Insider-Joke). Passiert schon mal, wenn man mit Amateuren oder Alkoholabhängigen zockt. Im Casino am Potsdamer Platz hingegen, scheint mir so etwas unmöglich. Die haben ja Dealer und einen Floorman und einen Casinomanager und Securitys und Kassen mit Panzerglas und was sonst nicht noch alles. Dass die Handelsplätze der Welt jedoch - die Lebensadern des Kapitalismus - der grosse Mutterkuchen, an dem ausgewachsene Banker nabelgeschnürt hängen, mit ihren SECs und Börsenaufsichten - nach Hinterzimmerkriterien mit total besoffenen Akteuren funktionieren, wäre mir nie im Traum eingefallen.
Blutige Anfänger - Kinderkram - 2200 000 000 000 Chips weg.
Was solls - meine Bankroll stimmt - und mit xxxx und xxxxxx spiel ich schon lang nicht mehr.



 

 



alexander spree, 23/08/2008
Mister Dick

 

Mister Dick war ein englischer Mister. Er war ziemlich dick und hatte natürlich ausgezeichnete Manieren. Nur dieses eine kleine Laster machte ihm zu schaffen. Essen!
Wo immer er auch war und egal zu welcher Tageszeit, er hatte unstillbaren Hunger. Einmal entführte er sogar einen Omnibus, um sich endlich satt zu fühlen. Doch es half nichts.
Alle Ärzte, die er aufsuchte, verschrieben ihm irgendwelche Pillen, aber von denen bekam er nur noch mehr Hunger. Nun ist Hunger zu haben, in England kein schwerwiegendes Verbrechen, doch Mister Dick fühlte sich trotzdem sehr schuldig. Je schuldiger er sich fühlte, desto mehr Hunger bekam er. Das einzige, was er dann tun konnte, war essen. Es half zwar nicht über seinen Hunger hinweg, doch er mußte es einfach tun.
Er aß im Stehen und im Liegen, während er lief und schlief, er aß Äpfel und Bohnen und fettigen Fisch, genauso wie tranchierte Ente, Schweineohren, Schweinebäuche und Rindermagen, Salzstangen rot-weiß, Schokoladeneis, Wachteleier und Vogelnester, Hühnerfrikassee und Brot und alles frittiert oder gebacken und schön zerhackt. Nicht nur durch den Mund aß er, nein auch durch die Nase, die Ohren und so weiter. Darüber soll man sich jedoch nicht wundern.
Eines schönen Tages, lief Mister Dick ein Polizeioffizier über den Weg. Stunden später, kaute er immer noch an seinem Käsesandwich.
Als Mister Dick dann endlich heiratete (eine junge Lady aus gutem Hause), gab es zum Essen Jägerschnitzel. Doch die Idylle war trügerisch und so wurde Mister Dick am Ende nervenkrank.
Er starb ganz allein, an Grippe und niemand weiß, was seine letzten Worte waren.

 

 



alexander spree, 21/08/2008
Wieso eigentlich,

 

... glaubt insgeheim jeder Pokerspieler von sich, der Weltbeste zu sein - hätte er nur ein bisschen mehr Übung, mehr Geld versteht sich und mehr Turniererfahrung - dann aber, ja dann, der Weltbeste, mit Sicherheit.
Womöglich brächte man es ohne diese Hybris nicht weit in no-limit-holdem.

 

 



alexander spree, 11/08/08
Der Spieler und sein Bauch

 

Der Spieler, hat einen Bauch. Da ist der Sitz der Seele und der muß gefüllt werden. Der Spieler ist ein Bauchmensch - d e n k t - er.
Wenn der Spieler seinen Hunger, den er manchmal verspürt, nicht gleich stillen kann, wird er richtig zornig. Auch rauchen, hilft dann nicht weiter. Einmal hatte ihn eine Person zum Abendbrot eingeladen und ihm ein Schnitzel versprochen. Der Spieler freute sich sehr. Als er eintraf, hatte die Person es sich anders überlegt und es auch nicht geschafft, noch einzukaufen. Ein paar Scheiben Brot und Quark waren vorhanden, worauf der Spieler jedoch verzichtete. Er nahm seinen Hut und ging sogleich, mit dem Gedanken, wie so oft, sich zu töten. Schließlich ließ er sein Vorhaben fallen und beschloß voller Gram, die Person, mit der er im übrigen gut befreundet ist, vorerst nicht mehr zu besuchen.
Es gab eine Zeit, da aß der Spieler, jeden Morgen einen Schokoriegel und abends Spaghetti mit Öl und Knoblauch. Das führte nach drei Monaten zu einer Duodenitis. Der Junge, der im Krankenhaus neben ihm lag, war dort, weil er täglich zwei Liter schwarzen Kaffee getrunken hatte. Beide fanden die Krankenschwester sehr hübsch. Wieder genesen, ersetzte der Spieler, die Spaghetti, jeden zweiten Tag, durch Reis mit Ketchup, der Abwechslung halber.
Da der Spieler kein Krafttraining betreibt, ist sein Bauch etwas weich geworden mit der Zeit. Er denkt, Sport ist Mord, und sein Vater hatte einen Bauch und auch Buddha - und an seine Nase, hatte er sich ja schließlich auch gewöhnt.
Vor nicht all zu langer Zeit, begannen den Spieler, abgesehen von Dingen, von denen man noch erfahren wird, heftige Blähungen zu plagen. Er konnte nicht aufhören, an seinen Zwölffingerdarm zu denken und an eine gewisse tödliche Geißel der Menschheit und ging zu einem Heilpraktiker. Der schaute ihm tief in die Augen, schröpfte und ließ ihn zur Ader, mittelaltertechnisch als auch finanziell. Vor Schreck vergaß unser Spieler den nächsten Termin wahrzunehmen, woraufhin der Heiler ihn anrief, um ihn zu beschimpfen. Das Zutrauen des Spielers war nun gänzlich verloren. Dennoch ging er, da die Beschwerden nicht aufhörten, ein paar Monate später, diesmal zu einem gebildeten Arzt. Vor Ärzten aber, hatte er zeitlebens Angst und krankenversichert war er ja auch nicht. Man ließ ihn kulanterweise in bar bezahlen und röntgte seine Lungen. Weshalb wurde ihm nicht ganz klar, aber der Doktor meinte letztlich, er wäre kerngesund. Das half ein bisschen und wenn der Spieler heute mal Blähungen hat, furzt er einfach ungeniert und grübelt nicht weiter.

 

 



alexander spree, 05/08/2008
suck out . . .

 


Da fahre ich also in den Urlaub. Mit dem Auto. Bei Benzinpreisen, die metaphorisch, das Ende der menschlichen Zivilisation andeuten. Ich fahre ins Berchtesgadener Land, an den Bodensee und in den Schwarzwald - Zwischenstop am Königssee, in Konstanz, Freiburg und Weimar - 2500 Kilometer.
Ich besuche nur Freunde, keine Hotels, gehe kaum essen, geschweige denn Para-gliden oder Wildwasser-raften. Meine Bankroll beträgt 450,- Euro. Ich fahre auf der Autobahn konstant 100 km/h. Mein Verbrauch - grandiose 6 Liter pro 100 Kilometer (Nissan Sunny).
Mich überholen reiche Donks - wumm, Audi Quattro, 190 km/h - zzzumm, Benz, 220 km/h. Na sollen sie doch - wer hat, der hat. Am ersten Tag auf der Autobahn im Frankenwald - Vollsperrung. Fetter Crash. Drei Stunden geht nichts mehr. Danach weiter, wie gehabt, wumm und zzzumm.
Auf der Heimreise dann, 130 Kilometer vor Berlin, kommt der suck-out. Baustelle. Ein Schild fordert 80, 100 Meter weiter 60, gleich darauf 40. Ich denke noch, wie sollen die Donks, das wohl ohne Vollbremsung hinbekommen - da blitzt es mir rot in mein sonnenverbranntes Gesicht. Augenblicklich ist die Baustelle beendet. Als zehn Minuten später das Schild kommt: "Auf Wiedersehen in Sachsen Anhalt", bin ich immer noch auf Tilt. Mit der Kohle, die der Strafzettel kostet, hätte ich mir mindestens eine halbe Tankfüllung gönnen können, oder einen Sauerbraten im Rössel oder eine Schlachteplatte im Braustüberl oder drei Flaschen Cremont in Strassbourg. Scheiss Rake. Autofahren ist eben doch nur was für High-Roller.

 

 



alexander spree, 21/07/2008
Er ist wieder da,

 

mein oller Anglerschlapphut. Wie habe ich ihn vermisst. Schmerzlich.
Anfänglich hatte ich ihn, in Verbindung mit einer H&M Sonnenbrille bei jedem Multitable getragen. Er brachte mir zwei Siege und einen zweiten Platz ein. Doch plötzlich war er weg. Von da an war ich Karten-tot.
Keine Asse, kein KK, keine Queens und kein AK suited mehr in den Pockets. Drei Monate quälte ich mich mit Meisterklasse-Poker (da ich ja die Rags irgendwie durchbringen musste) und schaffte es doch nur noch ein einziges Mal an einen Final-Table, wo ich mich mit einem sechsten Platz zufrieden geben musste.
Vor Verzweiflung kaufte ich mir einen teuren Filztramper. Schick, aber unbrauchbar. Die Pechsträhne hielt an.
Vor drei Tagen nun, fand er sich wieder. Die Kinder hatten WSOP gespielt, vermute ich. Jedenfalls entdeckte ich ihn zerknüllt zwischen Stoffbär und Ratte. Endlich würde ich wieder gewinnen.
Gestern, beim Multitable zur Betfairchallenge, begrüßten mich nicht wenige mit "Ahh" und "Ohh". Ich war wieder wer - mit Hut.
Schon in der dritten Hand bekam ich A-J von Kreuz und vor mir gab es eine kräftige Preflop Erhöhung. Ich überlegte. Mir fiel ein, dass der Kreuz-Bube in alten französischen Blättern den Lancelot, also den ersten Ritter der Tafelrunde darstellte. Da auch ich nach dem heiligen Gral strebte, schien mir das, ein Zeichen zu sein und ich ging mit. Meinen Gegner, setzte ich auf Damen.
Am Flop fiel ein Ass, rainbow, kein Kreuz. Er bettete den halben Pot, ich raiste um das Dreifache, denn seine Damen waren ja nun tot. Erledigt durch meines Ritters Schwert mit Hilfe des triumphalen Asses. Zu meinem Schrecken, re-raiste er und verkündete "all-in".
"Scheisse" schoss es mir durch den Kopf, unter meinem alten Hut. Ich erinnerte mich an mein letztes Pokerbuch und foldete.
Der Aggressor drehte eine seiner Karten um und zeigte ein Karo-Ass. Also doch keine Damen, war klar irgendwie.

Der halbe Stack
war weg

(wegen des Reimes)

Danach lief es auch nicht besser. Als ich später einen Royal-Flush-Draw am Flop bekam, setzte ich alle meine Chips und verlor am Turn gegen den Nut-Flush. Wieso musste der Kerl ausgerechnet zwei Pik mit Ass-6 in der Pocket haben, wenn ich 10-Q in Pik halte. Die Dame in Pik stellt ja überliefert Pallas-Athene dar, die Kriegsgöttin und Schutzheilige Athens, meine Lieblingsgöttin. Es nutzte nichts.
Ich war RAUS - MIT HUT.
Vielleicht war der Hut ja beleidigt, weil ich ihn der Ungnade und den unschuldigen Fingern meiner Brut ausgeliefert hatte. Ich kann es mir nicht erklären. Heute bekommt er noch eine letzte Chance - mal sehen. Er soll sich vorsehen, denn falls es nicht läuft, kommt das Ding in den Sack. Endgültig.

 

 



alexander spree, 17/07/2008
Tach och,

 

heut mal wat in Mundart, Slang oder Schnauze . . .

Am finalen Table kanns janz schön rund jehen -
Det vorherrschende Jefühl is Feindseligkeit, damit muss man erstmal klarkomm.
Janz schön unjehobelt, sind so manche und Seiten kommen an eenem zum Vorschein, die nich fein sind.
Sogar sich selbst findet man suspekt, beizeiten. Als ick een all-in anbot und der Esel (uff englisch donk) det annahm, spannten sich meine Muskeln zum Sprung - uffm Flop hatte ick mein Set (uff deutsch n flotter Dreier mit nem Pärchen inner Tasche), da stiess ick einen kurzen Kampfschrei aus und erschrak. Det janze Turnier über war ick verhalten cool und erhaben - doch nun - brüll ick rum wie n Wilder. WOW!
Det nächste Mal spiel ick mit Mundschutz.



 

 



alexander spree, 14/07/2008
an die freude

 

liebe freude, schon lange wollte ich dir schreiben, aber ich habe mich nicht getraut. viele meiner freunde sagen, daß es dich nicht gibt und du wärst nur eine irrationale gefühlsregung oder so etwas.
ich glaube das nicht und nun bitte ich dich, mir ein zeichen zu geben, nicht um meine zweifel zu zerstreuen, denn ich zweifle ja nicht, sondern nur zur sicherheit, um mein herz zu beruhigen in solchen zeiten. wenn ich mich also das nächste mal freue, wie erkenne ich dann, daß ich mich wirklich freue?

dein hanns



sehr geehrter herr hanns

herzlichen glückwunsch. sie haben gewonnen. wir haben sie ausgewählt, mit einer prominenten person einen tag in freude verbringen zu dürfen. wir werden alle ihre gefühle aufzeichnen und die schönsten im internet veröffentlichen, so daß die ganze welt beurteilen kann, wie sehr sie sich gefreut haben. ist das nicht wunderbar?
bitte senden sie uns die beiliegende einzugsermächtigung vollständig ausgefüllt und unterschrieben zurück.
je eher sie antworten, desto schneller können sie sich freuen.

die freude

 

 



alexander spree, 10/07/2008
immer weiter...

 

gehts und stehts, schön aufrecht, mein buntspecht, triebknecht,
folter ich ihn oder er mich, müßig, süße soße, draußen klärt der himmel alle fragen, doch da bin ich nicht, nein ich hocke in der stube mit kaputtem rücken, tippe sinnlose losigkeiten und gedenke so mein leben zu retten, warum, und ewig warum, diese blöde fragerei geht mir auf den sack, kann ich kein bulgare sein, ein fröhlich bauer, himmelschauer, wie schauerlich oh nein, wie einfach könnt es sein. reime sind schleime, hab ich schon immer gedacht und trotzdem gemacht, wie langweilig grüßt das hirngeschmier...

er ging über die straße, sah es kommen, unausweichlich, machte keine anstalten, warum auch, es wäre dasselbe, so oder so, schon oft hatte er daran gedacht, es ergab sich nicht, er ergab sich nicht, doch nun war es anders, es sollte geschehen, fatal, banal, den verkehr soll man nicht aufhalten, er fliegt durch die luft, wie gewünscht, was haben sie nur davon, ein kurzer kick, knack, alles gebrochen, erbrochen, das wars...

die stadt stinkt. kinder sterben. alles dreht sich. ich stehe still. der baum ist noch da.
das haus weint. sie fallen. ein buch ist verschwunden. karriere wird gemacht.
die mutter ist gegangen. bilder folgen. ich wollte dir ein zeichen geben, subtil nur, denn wenn die anderen es bemerkten, wäre alles zerstört, das was wir nicht konnten, nicht durften, uns nicht trauten, doch wie die paranoia zerquetschen, ihr die beine kaputtschlagen, wenn nicht voll und ganz, es ist unmöglich, unmöglich...

 

 



alexander spree, 03/07/2008
Frauen . . .

 

sind ja bekanntlich die besseren Pokerspieler.
Warum? Weil man sie nicht lesen kann. Warum nicht? Weil sie wankelmütig sind, sich also mal so und mal so entscheiden, schwer zu berechnen, wie gesagt. Warum gewinnen sie dann nur selten? Weil sie am Ende, keinen Bock mehr haben und selbst wenn sie die Nuts halten, dem Mann der selbstherrlich "all-in" verkündet, bescheiden recht geben: "na dann nimm den Pot", entweder aus Angst vor seinem dann folgenden Tobsuchtsanfall, oder wohl öfter aus Mitleid. Sie mögen es, still zu leiden und sie hassen es beschimpft zu werden.
Es gibt Ausnahmen. Meine gute Freundin A. zum Beispiel. Sie schafft es sogar in einer Schwulenbar einen Streit der Platzhirsche darüber zu provozieren, wer ihr denn nun den nächsten Drink bezahlen darf. Pokern allerdings ist ihr zu profan. Schade. Sie würde den Phils und Doyles und Eddis dieser Welt in die Finger beissen, wenn sie versuchten ihre Chips zu klauen. Dabei würde sie sexy säuseln: "Lass es, Schnucki" oder, "das zahle ich dir heim."
Ein erotischer Angstschauer überkäme die Herren und sie gewännen nicht einen einzigen Pot mehr. Wenn doch, landete durch eine Ungeschicklichkeit der gesamte klebrige Inhalt aus A.s Longdrinkglas auf des Mannes Beinkleid: "Oh, entschuldige. Wie konnte mir das passieren. Es tut mir wirklich leid."
Tja, leider ist A. das Kartenspiel zu profan, wie gesagt. Sie pokert um andere Dinge.
Ciao Schnucki, Bussili.

 

 



alexander spree, 28/06/2008
Die Gurke

 

Eines Tages erschien mir Jesus in Form einer Gurke und sagte: „ICH bin JESUS CHRISTUS, der Sohn GOTTES.“,
daraufhin fragte ich: „aber warum siehst du dann aus wie eine Gurke?“,
„NUN“ sagte er: „wenn ICH dir in einer typischen Gestalt erschiene, von der du glaubtest, so könnte GOTTES Sohn ausgesehen haben - Sandalen, ärmliches Gewand, löchriger Bart und so fort, bestände theoretisch die Möglichkeit, daß du dächtest, ICH würde dich täuschen wollen und wäre gar nicht JESUS CHRISTUS, GOTTES Sohn. Also erscheine ICH dir als Gurke und es gibt keinen Grund nicht zu glauben, daß ICH tatsächlich JESUS CHRISTUS, Sohn unseres VATERS im Himmel bin.“
Ich glaubte ihm auf‘s Wort und er verwandelte sich in eine Kaffeetasse.




 

 



alex an der spree, 25/06/2008
Da ist er wieder.

 

Da ist er wieder. Dieser unbändige Drang. Obwohl ich gestern acht Stunden lang, in immer gleicher Haltung am Pokertisch saß und vielleicht zweihundert Hände gespielt habe, ist dass erste an was ich heute morgen denke - ein Poker-Game.
Ich will cool in meine Pocketcards linsen, um dann mit unbeteiligter Mine: "fold" zu annoncieren. Ich will mit Chips rumklimpern und eloquente Bemerkungen, über die viel zu offensichtliche Spielweise meiner Gegner machen. Ich will Airlines halten und vor mir ein Raise hören. Ich will, ich will, ich will.
Also öffne ich getrieben meinen Pokerstars-Client am Rechner und logge mich ein. Sit'n Go, 45 Player - Playmoney.
Total sinnlos. Ich hatte mir mal ein halbes Jahr lang eine Bankroll aufgebaut und sie dann in drei Tagen komplett verzockt. Seitdem also Playmoney - total sinnlos, wie gesagt. Erste Hand, drei Spieler gehen all-in. Ich stöhne genervt, niemand hört mich. Ich chatte: Donks! Einer schreibt zurück: Shut up! Ich klicke auf "leave the table" und logge mich aus.
Leichter Anflug einer Depression. Wie schön wäre es doch, wenn jetzt irgendwo ein Game stattfinden würde, um ein paar Cents vielleicht, mit Menschen die sich und andere ernst nehmen, nicht bierernst, aber ernst eben, seriös, verstehen sie. Respekt vor den Karten, Ehrfurcht vor dem Glück und Gefühl für die Taktik. OK, ein Fisch am Table, kann ja auch nicht schaden - aber aus Fleisch und Blut bitte.
Heute ist Mittwoch - die Menschen arbeiten meist. Wie also jetzt eine Runde zusammen bekommen. Auch ich hab ja was zu tun - Scheisse. Ich geh wieder ins Bett und lese Doyle Brunson's Super System. Danke Mo.

 

 



alexander spree, 17/06/2008
Tja, Deutschland

 

Tja, Deutschland steht nun nach dem Sieg gegen die Ösis im Viertelfinale der Fussball EM 2008. Was sagt uns das? Nix, ausser vielleicht, dass der gelernte Stürmer Mario Gomez irgendwie neben der Rolle ist. Und genau wie er, treff auch ich nichts mehr (bin ja gelernter Pinapple-Player). Nix in der Starthand, nix im Flop und wenn ich mal durchchecken kann, auch nix am Turn und River. Wenn ich Glück hab, verliere ich trotzdem nichts und lande in der Bubble. So wie unsere Nationalmannschaft (schwarz-rot-goldene Bubble-Boys). So hoffe ich nun inständig, dass Portugal loost, der Vollmond sich vollendet, das Blatt sich wendet und ich mal wieder ein Viertelfinale im Verein rocke.
Dann aber, ab in die Spielbank Berlin am Potsdamer Platz, die haben nämlich jetzt ein neuen Pokerfloor eingerichtet, mit moderaten Buy-ins für Multitable (ab 20,- Euro) und 1/2 Euro Cashgames. Nach einem Jahr harter Arbeit, bin ich dann Millionär und kaufe mir einen Gemüseladen. Die Wasserhähne in meinem Haus, lasse ich mir vergolden (so wie der Gomez). Wenn Pokern dann endlich in der Bundesrepublik so richtig etabliert ist (GSOP oder so), lass ich mich vom Hauptstadtkulturfond sponsorn und gebe im Bundeskanzleramt Pokerschulungen.
Die Spielweisen der etablierten Parteien habe ich schon wie folgt analysiert:
>SPD: loose passive >CDU: tight passive >FDP: loose agressive
>PDS: semi-tight crazy-agressive >Grüne: Donks
Ex-Kanzler Schröder wird als Super-Zocker-Pro geladen und Altbundeskanzler Schmidt darf ausnahmeweise am Table rauchen. Joschka kriegt ne Zeitstrafe (alternativ grün-gelbe Karte) wegen meckern und Westerwelle muss Sonnenbrille und Baseballmütze absetzten. Oswald Metzger hat auf jeden Fall Hausverbot. Am Ende ist Angie mit QQ gegen Gysis AK suited (rotes Herz) all in und luckt noch ne Dame am River, nachdem Gysi two pair gefloppt hatte. Sie gewinnt glücklich, reisst die Arme hoch und umarmt alle herzlich, so wie sie es mit Jogi und Schweini auf der Euro 08 schon geübt hatte. Altbundeskanzler Kohl verfolgt alles am featured Table im DSF und summt leise die dritte Strophe (versteht sich) des Deutschlandliedes. Der Gomez singt ja nie mit vor dem Spiel - ob es daran liegt?
Nun ja, Pokerspieler sind eben abergläubig. In diesem Sinne - ab ins finale Schnuppsti Wuppsti.

 

 



alexander spree, 13/06/2008
Pokerspieler sind grösstenteils doof.

 

Pokerspieler sind grösstenteils doof. Sie halten sich fürwahr für schlau - das ist die Crux. Wenn einer verliert, der meint sehr gut zu sein, also eigentlich gewinnen müsste, fängt der zu schimpfen an: "Donk! Wie kann man nur so schlecht spielen (Draws oder Gutshots oder Runner-Runner oder Zwei-Outer gespielt) und dann auch noch belohnt werden (von Fortuna versteht sich). This is so sick (krank)." Fortuna heisst "Lack" und Spieler, die Profis aus dem Turnier schmeissen sind "Lacker" oder "Kacker". Je mehr einer tobt, desto höher sein Ranking in der Weltrangliste. Siehe Phil Hellmuth, the hell-mouth.
Die Wahrheit ist, trotzt aller Wahrscheinlichkeitsrechnung, braucht man beim Poker Glück. Alternativ (wenn das Glück ausbleibt) muss man es verstehen, zu bluffen. Wenn man allerdings jemanden blufft, der Glück gehabt hat (im Flop die Nuts mit nichts getroffen, oder so) hat man wiederum Pech gehabt. Manchmal werden auch die Bluffer geblufft und beim Showdown gewinnt King high den fettesten Pot des Turniers. Die besten Spieler der Welt, sind eigentümlicherweise die mit dem meisten Geld, die es sich leisten können einhundert Turniere im Jahr mit mehr als tausend Dollar Buy-in zu bestreiten (man muss dem Glück ja auch ein paar Chancen geben). Ihre Taktik besteht darin, so wenig wie möglich Hände zu spielen, also der Auseinandersetztung mit den "Donks" aus dem Wege zu gehen, um dann im richtigen Moment zu bluffen, oder eben das Glück zu haben Pocket-Asse durchzukriegen. Statistiken und Berechnungen von Odds und Outs sind nur aussagekräftig im Hinblick auf grosse Zahlen - wie jeder Mathematiker weiss, und selbst im unendlichen Universum sind die Sterne nicht gleichmässig verteilt. Da gibt es fast überall nur absolutes Nichts und dann wieder merkwürdige Zusammenballungen von Sternen (Haufen). So kommt es also auch vor, dass ein Spieler im Turnier achtmal Asse als Starthand erhält - ein anderer hingegen seit drei Monaten nicht ein einziges Mal.
Jedes Mal wenn die Karten ausgeteilt werden, besteht für jeden von neuem die gleiche Unwahrscheinlichkeit seine Hand zu gewinnen. So ist also der Pokerspieler der Klügste, der überhaupt nicht spielt. Das macht allerdings auch überhaupt keinen Spass.

 

 
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